Einsatz in der kleinsten Armee der Welt

Einsatz in der kleinsten Armee der Welt

Der Pastoralraum Michelsamt ist ein fruchtbarer Nährboden für die Schweizergarde. Immer wieder hat diese Region junge Menschen für den wichtigen Dienst in Vatikan geschenkt, den Papst zu schützen. In jeder Generationen haben sich junge Menschen voll begeistert von der Tradition von Gardisten gewagt, dem Oberhaupt der katholischen Kirche zu dienen. Der jüngste von ihnen ist Matthias Gisler, der die letzten zwei Jahre (2017-2019) als Hellebardier seinen Dienst in Vatikan geleistet hat; der Erfahrenste aus unserem Gegend ist Linus Meier, der als Korporal 20 Jahre (1971-1991) seinen Dienst in Vatikan geleistet hat.

Das Interesse kam für die beiden Gardisten, schon als sie Kinder waren. Entweder haben sie in den Medien über die Arbeit der Schweizergardisten gehört und gesehen; oder sie haben hier in Beromünster ihre Verwandten und Bekannten als Gardisten erlebt. Das hat ihnen ein Impuls gegeben Schweizergardist zu werden.

Hat Matthias Gisler bereut dass er die zwei schönen Jahre als Schweizergardist ´verloren´ hat?

Die Antwort kommt wie aus eine Pistole geschossen. „Nein, überhaupt nicht!“ Eigentlich habe er sich überlegt, ob er seinen Dienst für ein bis zwei Jahre verlängern soll. Aber er hat sich entschieden, zurück zu kommen. Die zwei Jahre seien für ihn eine große Bereicherung – Bereicherung seiner Persönlichkeit gewesen. „Ich habe eine neue Sprache gelernt, Mir sind neue Horizonte eröffnet worden. Die Kameradschaft mit anderen Gardisten bleibt jetzt sein Leben lang. Darum blicke ich dankbar an diese Jahre zurück.“

Ist der Dienst eines Schweizergardisten streng?

„Es ist ein Militär Dienst. Jeder Militärdienst ist streng. Aber man lernt viel für das Leben. Es gibt auch Zeit zur Erholung und Spaß.“ Jetzt ist es so, dass man 6 Tage arbeiten muss und dann 3 Tage frei hat. „Wir durften viele Ausflüge machen, wunderbare Orte besuchen, die ich von Beromünster her nicht gemacht hätte“, so Matthias.  Es gebe auch Zeit für Fußballspiel; der Musikverein der Gardisten ist sehr aktiv, wo der gute Musiker aus Beromünster Matthias aktiv mitspielte. (Übrigens hat Linus Meier während seiner Dienstzeit diesen Musikverein, dem das Aussterben drohte, erfolgreich regeneriert). Wenn es keinen Ausgleich gewesen wäre, wäre der Dienst streng. Aber Gott sei Dank, es ist ein sehr gut geregeltes System.

Wirkt dieser Dienst als Schweizergardist etwas in ihrem kirchlichen Leben?

Die beiden sind einer Meinung. Aus der Erfahrung sagen beide, entweder gehen die Gardisten vertieft im Glauben zurück oder distanzieren sich völlig von der Kirche. Aber der Fall für die meisten ist, dass die Treue mit der sie den Oberhaupt der Kirche gedient haben, bleibt ihr Leben lang und wirkt in ihren Familie weiter.

Wie erleben die Gardisten den Papst?

„Papst Franziskus ist ein Frühaufsteher“, sagt Matthias. Gegen vier Uhr sei er schon wach; ab und zu kommt er aus seinem Zimmer heraus und spricht mit dem Gardist, welcher vor seinem Zimmer die Wache hält. „Niemand ist da, außer Papst und Gardist.  „Es ist ein unglaubliches Gefühl, mit dem Oberhaupt der Kirche ungestört zu sprechen - obwohl kurz, er und ich allein ohne zahlreichen Kameras.“ Solche Momente genießen die Gardisten ihr lebenslang.

Auch Linus Meier hat solche Momente: Nach zwanzigjährigem Gardedienst reisten Linus und mit seiner frisch angetrauten Frau Danuta für ihre Flitterwoche in Vatikan in den Vatikan. Sie durften mit Papst Johannes Paulus II ein persönliches Gespräch führen und Danuta war über alle Maßen glücklich, als sie sich mit dem Hl. Vater persönlich auf polnisch unterhalten durfte.

Beiden Gardisten - Linus und Matthias - ist es peinlich, dass es bei den Schweizern wenig bewusst ist, was für eine Ehre die Schweizer haben, für die Sicherheit des Oberhauptes der katholischen Kirche zu sorgen. Matthias sagt, „es kommen viele Schweizer als Touristen nach Vatikan; Manche sind total überrascht dass die Gardisten Deutsch sprechen können. Sie wissen gar nicht dass die Gardisten doch Schweizer sind. Dat tut wirklich weh!“

Deshalb versuchen die beiden Gardisten in ihrer eigenen Art, diese ehrwürdige Tradition dieses Landes weiter in ihrer Umgebung beizubringen. Die Rückreise aus Rom von Matthias im letzten Jahr, nach Beromünster mit dem Roos, wurde durch SRF gut dokumentiert und war schon eine Werbung in sich für diese(n) Beruf(ung). Matthias wird immer wieder eingeladen über seinen Dienst als Schweizergardist Vorträge zu halten und er freut sich darauf, Kindern und Jugendlichen seine Erfahrung mitzuteilen und sie zu diesem Beruf zu begeistern.
Das Gleiche bei Linus. Nach seinem Dienst als Korporal hat er über das Leben eines Schweizergardist im Estrich seines Hauses eine kleine aber sehr feine und minutiöse Ausstellung erstellt (Waffen, seine Uniformen, die Bezeichnungen und Medaillen… usw.). Wenn Kinder oder die Schüler Interesse haben, dürfen sie gerne diese Ausstellung besuchen. Darauf freut sich Linus riesig.

Was haben Matthias und Linus den Kindern und Jugendlichen zu sagen, die sich überlegen Schweizergardist zu werden?

Von den beiden hört man das Gleiche! Es lohnt sich zwei Jahre (oder mehr) Gardist zu werden. Wenn man für Kultur und Geschichte und Religion und Sprache Interesse hat, ist der Vatikan ein idealer Ort. Denn als Zentrum des Christentums enthält der Vatikan in sich all dies; der Ort birgt in sich 2000 Jahre der Geschichte, 2000 der Kunst. Es gibt keinen Ort auf der Welt, wo man jährlich hunderte und tausende von Menschen aus allen Kontinenten friedlich miteinander beten. Ist man nach dem Dienst als Schweizergardist, ist man ganz anders in seinem Denken und Handeln. Es ist ein großes Plus, wenn ein Gardist in seinem Lebenslauf schreiben kann, dass er als Schweizergardist tätig war. Jeder Arbeitgeber in der Schweiz  (nicht nur bei der Polizei oder im Militär) wird dies hochschätzen. Denn dem Arbeitgeber ist es bewusst, dass der junge Mann, der ehemaliger Schweizergardist weiss, was Disziplin und Konzentration bei der Arbeit bedeutet.
Auch für das persönliche Leben sei der Dienst als Schweizergardist eine große Bereicherung. Da ein Gardist immer in der Öffentlichkeit steht, Menschen aus der ganzen Welt ihm bei der Arbeit zuschauen und mit ihm reden, geht langsam die Nervosität weg. Dann fügt Matthias hinzu, „nach diesen Zwei Jahren ist es mir klar geworden, es gibt immer eine Lösung für jedes Problem. Deshalb bin ich jetzt ruhiger geworden – auch im Angesicht einer Krise.“ Ist es nicht eine große Bereicherung für die Person? Vor allem ist der Stolz eines Gardisten, dass er einmal dem Heiligen Vater gedient hat, unvergleichbar. Dieser Stolz trägt nicht nur für der Gardist selber, sondern auch seine Eltern, Geschwister und Verwandten. Schließlich ist es eine große Ehre für das Land. Denn die Katholische Kirche hat kein anderes Land ausgesucht, ihr Oberhaupt zu schützen.

Wer kann Schweizergardist werden?

Ein junger Mann soll 1.74 Meter groß sein. Er muss eine Lehre / Matura haben, muss katholisch sein und ledig. Und vor allem ist es gut, wenn man Interesse an Religion, Kultur, Geschichte und Sprache zeigt.  Muss man als angehender Schweizergardist ganz religiös sein? Matthias lacht und sagt, es gibt doch fromme Gardisten aber es gibt auch nicht so fromme. Ein Kaplan nimmt sicher der Seelsorger der Gardisten an. Als Linus Meier noch Schweizergardist war, mussten sie jeden Tag in die Messe gehen. Heute, sagt Matthias, sei der Sonntagsgottesdienst Pflicht, nicht mehr jeden Tag.

Gibt es Schnupperkurse für die Jugendlichen?

Für Jugendliche, die sich für einen Dienst in der Schweizergarde interessieren, gibt es coole Angebote. Die Jungen dürfen im Vatikan eine Woche schnuppern gehen (entweder im Frühling oder im Herbst), wo man den Dienst und das Leben eines Schweizergardisten hautnah miterleben kann.

Mit dieser reichen Erfahrung und wertvollen und unvergleichbaren Erinnerungen geht das Leben weiter für die ehemaligen Gardisten. Aber die Gardisten pflegen eine echte Kameradschaft – egal im Dienst oder auch nachher. Für Linus und Danuta sind die ehemalige der Schweizergarde wie eine echte Familie. Man kennt die Kinder und Kindeskinder und diese Freundschaft geht lebenslang und bereichert. „Einmal Schweizergardist, immer Schweizergardist!“  Einige ehemalige Gardisten sind jetzt Bankfachmänner, Ärzte, einige sind sogar Priester geworden. Ein Exgardist wirkt nun als Missionar in Kasachstan. Linus erklärt, dass es normalerweise eine Tradition sei, dass die Söhne der Exgardisten großes Interesse zeigen, selber Gardisten zu werden, wie ihr Vater. Momentan sind drei Brüder aus einer einzigen Familie in der Schweizergarde. Gefragt, ob sein Sohn später mal Schweizergardist werden wird, antwortet Matthias Gisler lächelnd, „hoffentlich so!“

Wer weiß! Vielleicht gibt es in der näheren Zukunft auch ein Bataillon von Schweizergardistnnen! Dann hätte auch seine Tochter eine Chance, in der kleinsten Armee der Welt, für das Oberhaupt der katholischen Kirche ihren Dienst zu leisten! – Kaplan Joseph Lourdusamy

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