Vierherr Thomas Müller

Vierherr Thomas Müller

...und so erlebte ich 2020 die „Uffert“ – Christi Himmelfahrt - z‘ Möischter

Als „Möischterer“ zählt mir dieser Tag zu den Marksteinen in unserem Kirchenjahr. Auch wenn er dies Jahr anders gefeiert werden musste, zog es mich mit allen Fasern in der Morgenfrühe des 21. Mai an meinen Heimatort. An die 50 mal stieg ich am Auffahrtsmorgen um 5 Uhr aufs Pferd und ritt mit vielen andern unter Glockengeläute und Reitermusikklängen von St. Stephan, der Pfarrkirche, durch den Flecken hinauf zum Schlössli, zum ersten Halt. Heuer war jedoch alles anders:

Mit meiner Begleiterin, Marianne Weber, nehme ich von der Stiftskirche aus den Weg zum Schlösslipark zu Fuss unter die Füsse – als eben die Sonne strahlend aufgeht. Die grosse St. Michaelsglocke mit ihrem tiefen, warmen Ton begleitet uns. Sonst – überall Morgenstille – ausser kleiner Gruppen, die den Weg auch betend gehen.
Mein Blick in die Ferne zu den Alpen und zum Pilatus bleibt an einem stattlichen Bauernhof mit meinem Heimathaus hängen. Meine Angehörigen sind den Umrittsweg bereits in der Nacht gegangen; ohne prächtige Triumphbogen, ohne geschmückte Fenster; sie fehlen heuer auf den Gehöften in den Weilern. Auf der Höhe des Blosenberges bietet sich uns ein herrlicher Blick übers Surental bis in die Innerschweizer – und Berner – Alpen.

Wie abgemacht treffen wir in Rickenbach Yvonne und Peter Suter. Die weit geöffnete Kirchentür lädt uns ein zum Eintreten. Einige Pilgerinnen und Pilger – versunken in Gebet und Betrachtung – ruhen aus in den vielen leeren Bänken. Wehmut befällt mich. Unverhofft jedoch wird meine Trauer um den Festgottesdienst, der nicht stattfinden kann wegen der Corona-Pandemie, aufgeheitert: Theres Küng, die Pastoralraumleiterin des Michelsamtes, setzt sich an meine Seite. Über Volk und Land, über Tiere, Natur und Schöpfung spricht sie uns den Segen Gottes zu. Wie wohl tut dieses Ritual meiner Seele.
Zufall oder Fügung Gottes – aus der hintersten Kirchenbank ertönt eine Trompete in der St. Margarethen – Kirche; es ist Hans Galliker aus Schlierbach, der auf seinem Instrument das Lied intoniert: „Lasst uns tief gebeugt verehren, ein so grosses Sakrament...“ Viele singen mit, und ich kann es nicht unterlassen, mit dem Allerheiligsten, das ich mittrage, allen den Segen Gottes zu erteilen. Mit dem „Te Deum“ und „Maria breit den Mantel aus“, schliesst unsere kleine spontane Feier – ein Geschenk vom Himmel in hoffnungslosen Tagen.

Zudem weckt das feierlicher Glockengeläute das verschlafene Dorf und begleitet uns wieder hinaus aufs Land über Niederwil durch den Seeblenwald hinunter an die Winon. Den steilen Anstieg über Adiswil und Witwil meiden wir und gehen an der Winonmühle vorbei durchs Schlifitobel dem rauschenden Bach entlang, bis wir einen ruhigen Rastplatz finden. Inzwischen haben wir den Psalter des Rosenkranzes vollendet, und wir feiern zusammen das Geheimnis der Eucharistie. Nach Stärkung von Geist und Seele werden Hunger und Durst für den Leib gestillt nach dem Motto der hl. Teresa v. Avila: „Man muss dem Körper auch etwas zu lieb tun, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen“.

Gestärkt und froh gelaunt machen wir uns auf die letzte Etappe – aus dem Tobel heraus – zurück nach Beromünster; die Türme von St. Stephan und St. Michael begrüssen uns. Die kühle, prächtig geschmückte Pfarrkirche nimmt uns auf wie eine liebende Mutter ihre Kinder. Ein besonderer, vertrauter Ort – denn hier hab ich einst alle Sakramente empfangen dürfen – von der Taufe bis zur Priesterweihe. Zudem säumen die Gräber vieler meiner Angehörigen, Bekannten und Freunden das Heiligtum St. Stephan.

Draussen im Flecken ist es ruhiger als vergangene Jahre, der prächtige Triumphbogen in der Mitte fehlt. Immerhin sind etliche Häuser festlich geschmückt und erinnern an den Festtag mit den tröstlichen Abschieds-Worten Jesu bei seinem Heimgang: „Siehe – ich bleibe bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt!“

Wie morgens beim Aufbrechen läutet beim Verlassen des Fleckens Möischter die grosse Michaelsglocke den Angelus. Auffahrt zu Hause – eindrücklich – doch ganz anders.  
Thomas Müller, Vierherr, Sursee

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